Hallo ihr Lieben, nun will ich eine e-mail veröffentlichen, die mir meine Zeichensprachelehrerin Hanna Jablan-Dragicevic mitgegeben hat. Sie stammt von einer befreundeten Logopädin, deren Tochter gerade das Sprechen lernt. Sie ist sehr interessant, lest Euch das mal durch! Bin schon sehr gespannt, wann und wie bei Julius das Sprechen losgeht!
Ich beobachte in den vergangenen Tagen eine erstaunliche Entwicklung bei unserer Tochter, die ich als Anregung zur Beobachtung mal an alle weitergeben möchte. Ist sicherlich nicht alles total neu, aber es im Zusammenhang zu beobachten eben doch viel spannender, als nur davon zu lesen. Und da sich Zusammenhänge so schön einprägen :-)
Mia hatte bis zum 18.LM so um die 100 Zeichen in ihre Repertoire aufgenommen und durch ein paar wenige Wörter ergänzt (Mama, Papa, Oma, Opa, da). Das ist jetzt ungefähr zehn Wochen her. Etwas ab diesem Zeitpunkt setzte das ein, was ich jetzt mal als den verbalen Anteil der Sprachentwicklung bezeichne: Sie fing an, neue Wörter auszuprobieren und anzuwenden, auch in Kombination (Wort + 1 Zeichen, Wort + 2 Zeichen, Wort + Wort). Erst zögerlich, dann immer schneller, bis sie während der letzten zwei Tage praktisch alle ein bis zwei Stunden mit einem neuen Wort herausrückte. Und sie plappert nicht nur einfach nach, sondern benutzte die meisten Wörter auch im Verlauf des Tages korrekt, hatte sie also wirklich „gelernt“.
Was mich nun an der Geschichte so fasziniert:
1. Das Sprechen (als verbaler Ausdruck der Kommunikation) beginnt nicht mit Einwort- sondern gleich mit Zwei- und Dreiwortkombinationen. Logisch: wenn sie die Kombinationen vorher schon hatte, warum sollte sie die jetzt wieder einstellen.
2. Der sogenannte Wortschatzspurt (oder Wortschatzexplosion), der zur Zeit stattzufinden scheint, setzt gewöhnlich nach etwa 50 Wörtern ein (korrigiert mich, wenn ich falsch liege) und nicht 2 Monate nach dem Beginn des Sprechens. Allerdings hatte sie eben auch schon einen „Zeichenspurt“. Auch logisch: Wenn praktisch die gesamte Kopfarbeit zur Kommunikation und zum Erwerb von Begriffen schon gelaufen ist, und endlich die Motorik mitspielt, ist jedes neue Wort im wahrsten Sinne des Wortes ein Kinderspiel.
3. Sie gleicht Wörter, die bei ihr ähnlich klingen bzw. die für sie ähnlich klingen über Handzeichen ab (weiß, weich, heiß). Logisch, hat sie schließlich „nur“ mit Zeichen auch schon getan.